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Gewinner der Kategorie Kurzgeschichten

1. Preis: Corad Petersen – „… bis er bricht“

Corad Petersen, geboren 1974 in Flensburg, lebt seit 1999 in Hamburg. Seit 2005 schreibt Corad unter neuem Namen, der 2025 auch offiziell wurde. Nach Jahrzehnten des Schreibens im Privaten richtet sich der Blick nun nach außen – auf Themen wie Identität, Wahrnehmung und das, was oft übersehen wird. »… bis er bricht« ist Corads erste Veröffentlichung.

… bis er bricht

Nach den Sommerferien

»Yo, Bro, was geht?«, begrüßte Nico seinen besten Freund mit dem üblichen Handschlag-Ritual.

»Was geht?«, gab Jeremy fahrig zurück, während er seine Sneaker auszog und Nicos Mutter kurz zuwinkte, bevor er mit Nico in dessen kleines Zimmer unterm Dach ging. Wie immer setzte sich Nico an den Schreibtisch, während sich Jeremy auf das Bett fallen ließ. Jeremy seufzte leise, als er den vertrauten Geruch einatmete, eine Mischung aus getragenen Fußballschuhen und klebrig-süßen Apfelringen – wenigstens eine Sache in seinem Leben, die noch gleich geblieben war. Er hörte nur mit einem Ohr zu, als Nico ihm von der Schule erzählte, von seinen ehemaligen Klassenkameraden, den Lehrern, ließ seinen Blick statt dessen über das Zimmer wandern, über die ausgeblichenen Poster von Fußballmannschaften und Videospiel-Helden.

Gespannt wie es weitergeht?
Das Buch zum Award kann unter award@space.net oder über Amazon und im Buchhandel bestellt werden.


2. Karina Luger – ”Audi 80 GT Coupe 5s“

Karina Luger ist auf einem Bauernhof nahe der österreichisch-bayrischen Grenze aufgewachsen und inmitten eines Dorfes groß geworden. Sie hat in Salzburg Germanistik und Geschichte studiert und lebt heute unspektakulär der Arbeit und der Liebe wegen mit ihrem Gatten und zwei Kindern in Linz. Die tiefe Verbundenheit mit dem Innviertel, der Landwirtschaft und dem bayrischen Sprachraum ist ein unverrückbarer Bestandteil ihres Lebens. Texte von Karina Luger sind in Anthologien und Literaturzeitschriften in Deutschland und Österreich erschienen.

Audi 80 GT Coupe 5s

Schlecht schaut er aus, der Toni. Der Krebs. Beim Stammtisch hüstelt er vor sich hin und er hat stark abgenommen. Das bekümmert den Helmut sehr.

Seit der Toni die Manuela geheiratet hat, seit er nach Bayerbrunn gezogen und beim Stammtisch aufgeschlagen ist, seither sind sie befreundet. Also schon ewig. Und jetzt sitzt er zusammengesunken mit rasselndem Atem in der »Schwarzen Traube« und ist glücklich, dass er da noch sitzen kann. Tragisch, sowas. Der Toni tut dem Helmut leid.

Der Reihe nach zahlen die Anwesenden ihre Rechnung und schlurfen in die Nacht davon. Helmut und Toni zahlen auch, trinken ihr Glas noch leer und verlassen die »Schwarze Traube« gemeinsam.

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3. Tom Schwericke – ”Sudoku am Landwehrkanal“

Tom Schwericke wuchs im West-Berlin der 80er Jahre auf, verwurzelt in der Punk-Szene. Nach dem Mauerfall fand er sich als Eventmanager wieder, bevor ihn Ende der 90er Jahre das Fernweh packte. Er arbeitete als Tauchlehrer, Reiseleiter und Barbetreiber in Honduras, Ägypten, Thailand und Indonesien. Heute schreibt er Kurzgeschichten, dadaistische Lyrik und arbeitet an einem autofiktionalen Roman. Seine Texte erschienen in Anthologien, auf Rehkitzler.de und in Poets of the New World. Man kennt ihn von den Berliner Lesebühnen Kreuzberger Literaturwerkstatt, Freihafen Textforum in der Z-Bar und So noch nie im Zimmer 16.

Sudoku am Landwehrkanal

Renate kommt jeden Tag um zwei. Immer dieselbe Bank am Landwehrkanal, Höhe Paul-Lincke-Ufer. Stofftasche, Thermoskanne, Sudoku-Heft vom Kiosk. Seit der Pensionierung färbt sie nicht mehr. Das Grau ist bis zu den Schultern gewachsen, offen, vom Wind zerzaust. Vierzig Jahre lang trug sie einen strengen Dutt, kastanienbraun. 

Es ist Mitte September. Die Luft riecht nach Kanal und feuchtem Laub. Vom Ufer gegenüber wummert eine Basslinie. Die Bank vibriert ein wenig. Renate klappt das Heft auf. Mittelschwer, drei Sterne. Sie beginnt mit den Einsen.

Viertel vor drei setzt sich jemand ans andere Ende der Bank. Jung, Kapuzenpulli, ständig das Handy in der Hand. Renate blickt nicht auf. Der junge Mann telefoniert. »Ja. Bin jetzt eine Ecke weiter. Selbe Seite, Richtung Hobrecht. In zehn ist prima.«

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Nachwuchspreis: Ulrike Eggert – ”Costa del Sol“

Ulrike Eggert denkt sich manchmal, dass Schafe züchten in Neuseeland auch eine Alternative wäre. Oder Elefanten hinter den Ohren kratzen, Nashörner am Kinn kraulen, mit Kokospalmen sprechen. Sie wurde zwar 1972 als echtes Nordlicht in Schleswig-Holstein geboren, reiste jedoch viel durch die ganze Welt. Heute lebt sie bei Heidelberg und hat sich nach verschiedenen Exkursen für den sehr bodenständigen Lehrerberuf entschieden. Bisher schreibt sie vor allem Kurzgeschichten, von denen auch schon einige veröffentlicht wurden. Nun hat sie gerade ihren ersten Krimi fertiggestellt und ist damit auf der Suche nach einem Verlag.

Costa del Sol

»Hallo Oma, ich bin’s!«

»Wer ist denn ich?«, fragte Irmela und räusperte sich. Ihre Stimme klang immer etwas brüchig, wenn sie sie länger nicht genutzt hatte. Das Klingeln des Telefons hatte die müde nachmittägliche Stille durchbrochen. Das war äußerst ungewöhnlich, um diese Uhrzeit, an einem nichtssagenden Montagnachmittag. Wer außer ihrem Sohn benutzte überhaupt noch das Festnetz? Und der rief nur sonntags an.

Mühsam hatte sie sich aus ihrem Lesesessel erhoben, um abzuheben. »Na, ich natürlich, erkennst du meine Stimme nicht?«

»Ich bin mir nicht sicher …«

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Unternehmenspreis: Evelin Monschein – ”Auch eine Lösung“

Evelin Monschein lebt mit ihrer Familie in Bruck an der Mur und schreibt seit vielen Jahren Geschichten, Bücher, Meditationen und Blogtexte. Ihre Texte verbinden Humor, Wärme und Tiefgang mit einem feinen Gespür für das Absurde. Schreiben bedeutet für sie, das Leben in Worte zu verwandeln – mal zärtlich, mal frech, immer mit Herz.

Auch eine Lösung

Die Berge und ich – wir waren nie eine Herzensgemeinschaft gewesen. Auch keine Feinde, ganz gewiss nicht. Ich fand sie ja schön. Beeindruckend, majestätisch, was auch immer. Aber eines verstand ich nie: Warum man sie aus eigener Kraft erklimmen sollte. 

Oben zu stehen – das war schon etwas. Keine Frage. Aber der Weg dorthin? Schweißtreibend. Steinig. Atemberaubend – im wörtlichen Sinn.

Warum sollte man freiwillig den halben Tag damit verbringen, sich keuchend einen Berg hinaufzuquälen, nur um dann oben ein Bier zu trinken, ein Käsebrot zu essen – und wieder hinunterzuklettern? Wenn Gott gewollt hätte, dass wir unser Leben auf den Bergen verbringen, hätte er uns dort oben angesiedelt. Nicht unten im Tal.

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